Honduras - Abenteuer Mittelamerika

      


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                                   von Josef Seitz  erschienen in

Auf vier gemieteten, nagelneuen Enduros, begleitet von zwei Geländewagen fürs Gepäck, verlassen wir die Hauptstadt Tegucigalpa am frühen Morgen.

Paul, der uns die nächsten drei Wochen seine Wahlheimat zeigen wird, weiht uns in die Besonderheiten der honduranischen Straßenverhältnisse ein. Die kurvenreiche Strecke führt durch karges Bergland nach Valle de Angeles.

Dort verschwindet der Asphalt zugunsten einer endurogerechten, staubtrockenen Piste, die uns ins Land der Rancheros bringt. Sie gelten als die Texaner Zentralamerikas. Mit geladenen Colt im Hosenbund und zackigen Sporen an den Stiefeln arbeiten sie auf den endlosen Rinderweiden, wo das Fleisch für die amerikanischen Bulleten-Ketten produziert wird. Auf den von der Sonne graubraun verbrannten Weiden leuchten blühende Bäume in zartem Rosa und knalligem Zitronengelb. Es scheint zur gleichen Zeit Frühling und Herbst zu sein. Auf den Stacheldrahtzäunen vor den wenigen Häusern, die auftauchen, hängt frischgewaschene Wäsche, die der aufgewirbelte Straßenstaub langsam wieder einsaut. Ein Metzger offeriert Fleischiges direkt am Straßenrand - nichts für Zartbesaitete. Auf einem ungehobelten, grauen Holzbrett liegt ein abgeschnittener Kuhkopf, Blut tropft aus den Nasenlöchern. Daneben säuberlich aufgereiht rohe Fleischstücke. Ein älterer, bartstoppeliger Mann steht mit stolzem Gesichtsausdruck unter dem löcherigen Bretterdach, das die Sonne fernhalten soll.

Nach San Esteban am Rio Grande entlang zeigen sich die Auswirkungen der Karibikküste. Die Vegetation wird immer üppiger, und bald ist die Landschaft mit wuchernden, verschlungenen Gewächsen überzogen. Je tiefer wir kommen, desto höher steigt die Temperatur, und bald bläst der Fahrtwind wie ein Heißluftfön.

Auf den 500 Kilometern hatten wir die Enduros nicht gerade geschont, wir haben uns einfach ausgetobt. Da ist die Badewannetemperatur in der Bahia de Trujillo gerade richtig, um die durchgeschüttelten Knochen wieder zu entspannen. Hauptbewohner der Karibik Küste sind die Garifunas, schwarze Nachkommen der Westafrikaner, die zu stolz waren, um für die Engländer zu arbeiten. Das war vor rund 200 Jahren. Die Engländer hatten die Aufständischen auf ein Schiff gepackt und irgendwo an der Küste ausgesetzt. Guadelupe ist so ein Garifuna Dorf. Die Bananen wachsen direkt vor der Haustür der Lehmhütten, und die Karibische See ist reich an Fischen und Muscheln. Das ganze Jahr über liegen die Temperaturen bei 28 Grad. Oberflächlich betrachtet sieht das alles nach einem Werbespot für weißen Rum aus. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Es ist kaum zu glauben, wie einfach die Menschen hier leben. Die Hütten haben gerade einen oder zwei Räume, in denen Großfamilien wohnen. 

Auf dem Weg zurück retten wir uns vor der Mittagshitze ins Comedor Caballero. Es gehört Pete, einem Schwarzen, der lange als Koch auf einem Bananendampfer gearbeitet hat. Weil er dort aber immer weniger Geld verdiente, hat er nach stolzer Garifuna Art, den Dampfer dampfen lassen und hier in Santa Fe eine kleine Kneipe aufgemacht. Er zaubert mit seinen bescheidenen Mitteln ein Menü auf den Tisch, auf das sich manches Restaurant etwas einbilden könnte.

Genau der richtige Energieschub für die schlechte Piste zurück nach Trujillo, auf der viele kleine Flüsse und Bäche zu durchqueren sind. das macht Spaß und ist eine willkommene Abkühlung.

In Trujillo organisiert Paul ein Garifuna Konzert. Er kennt die Schwarzen seit langem, hat mit ihnen gewohnt, sie vertrauen ihm. Auf Trommeln und Muschelflöten spielen sie westafrikanische Rhythmen, die sich während der letzten 200 Jahre kaum verändert haben.

In Honduras gibt es zwar einen staatlichen Straßenbau, aber fertiggestellt, kümmert sich niemand mehr um den Straßenzustand. So ist die Asphaltdecke von La Ceiba nach Tela mit gefährlichen Schlaglöchern gespickt. Manchmal schaufeln Kinder Sand in die Löcher, in der Hoffnung, ein paar Centavos von den Vorbeifahrenden zu ergattern.
Gegen Mittag erreichen wir Tela, ein Küstenstädtchen, dass seine spanische Herkunft nicht leugnen kann. Die Gehsteige sind mit Marktständen belagert, und von den Wänden der lückenlos aneinandergereihten Kolonialbauten bröckelt der Putz. Wenige Kilometer östlich, in Triunfo de la Cruz, entstand damals im 16.Jahrhundert die erste spanische Siedlung im heutigen Honduras. Eine verständliche Wahl. Die beliebtesten Zutaten zum Traumurlaub, nämlich Palmenwälder, Sonne, Strand und Meer könnten kaum besser komponiert sein als hier. Und außerdem eignet sich der menschenleere Strand ausgezeichnet für Sandkastenspiele auf zwei Rädern. Bereits bei Sonnenaufgang, und das ist immerhin schon morgens um sechs, stehen wir auf den Fußrasten der Suzuki, klemmen den Tank zwischen die Beine und wühlen uns kilometerweit am Strand entlang. Bis Miami, einem Garifuna Dorf, in dem sich seit Jahrhunderten kaum etwas geändert haben dürfte. Auf einem schmalen Sandstreifen zwischen der Lagune de los Micos und dem offenen Meer blieb das Lehmhüttendorf von der Zivilisation fast unberührt.

Die gut ausgebaute Strecke nach Tela ins Landesinnere ist für die Enduros zu langweilig. Erst hinter Santa Rita finden wir einsame Pisten, die uns zum Yojoa See bringen. Ganz in der Nähe ist der Pulhapanzak, der größte Wasserfall des Landes. Wie ein weißer Seidenschleier hängt die Wasserwand vierzig Meter hoch an einer Felsklippe. Die Gischt macht die schmale Schlucht, die der Fluss unterhalb des Wasserfalls gegraben hat, trotz der herrschenden Trockenzeit zum feuchtgrünen Dschungel.

Unser nächstes Ziel ist Copan an der Grenze zu Guatemala. Dort befindet sich eine der bedeutendsten Tempelanlagen der Mayas. Die Zeit hat viele Spuren verwischt. Wurzeln 500 Jahre alter Bäume bohren sich durch Tempelmauern, schleichend langsam, aber gnadenlos. Sie ranken sich um Steine mit geheimnisvollen Zeichen und lassen tonnenschwere Bauwerke einstürzen. was muss das für ein Gefühl gewesen sein, als John Loyd Stephens die Tempel und Statuen mitten im Dschungel entdeckte. Er war damals so begeistert, dass er die ganze Anlage kurzerhand kaufte - für 50 Dollar ! Mitten in der Anlage befindet sich ein Ballspielplatz. Der hatte allerdings nichts mit Zeitvertreib zu tun. Mittels einer Kautschuk Kugel wurde hier ausgespielt, wer das nächste Menschenopfer für die Götter werden sollte.

Vorbei an Tabakfeldern, über eine halbverfallende Brücke, verschwinden wir auf einer mit harten Spurrillen versetzten Sandpiste wieder in den Bergen. Über hohe Bergpässe gelangen wir in einsame Täler, wähnen uns manchmal in einer leicht überhitzten Schweiz mit Bananenstauden. Der Weg mündet irgendwann in ein Flussbett, das uns einige Kilometer als Strasse dient, bis wir nach einer steilen Auffahrt wieder die Piste finden. Über Comayagua, das mal 333 Jahre lang die Landeshauptstadt war, erreichen wir wieder Tegucigalpa, unseren Ausgangspunkt.

Hier geben wir die Motorräder ab und steigen in den Flieger nach Roatan, einer Insel vor der honduranischen Karibik Küste. Was macht man nun, nach fast 3 Wochen Motorradfahren in Hitze und Staub auf so einer Insel. Walter, Jochen und Bea fällt nichts besseres ein, als sich ein Motorrad zu mieten. Es geht natürlich auch anders. Gemütlicher. Eher meinem bayrischen Naturell entsprechend. Unter Bilderbuch Palmen schaukle ich in meiner Hängematte, blicke hinaus auf die glasklare, türkisfarbene Karibische See und denke über wichtige Dinge nach : Soll ich noch einmal zum Riff rausschnorcheln und den knallig bunten Fischen zusehen oder mein nächstes eiskaltes Bier trinken ?

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© 2006 Maya Moto Tours

 
  
Josef Seitz

 

 

Gruppenbild

auf der Piste

Strand von Trujillo

am Strand von Trujillo

Montanas de Celac

in den Bergen von Celac

Leguane in Corocito

Leguane zu verkaufen

Piste Santa Fee

Piste nach Santa Fee

Grupo garifuna

Trommler in Trujillo

Haengebruecke

Hängebrücke Catacamas

Piste nach Miami

Sandpiste in Tela

Wasserfall

Wasserfall Pulhapanzak

der alte Mann von Copan

Maya Ruinen von Copan

West End Village

Schnorcheln auf  Roatan

Roatan

Relaxen in der Karibik